Mischwasser

In Rheinland-Pfalz leisten etwa 2.600 Regenüberlaufbecken, 2.600 Regenüberläufe sowie 1.900 Regenrückhaltebecken im Trenn- und Mischsystem einen wichtigen Beitrag zur Verringerung von Stoffeinträgen aus Siedlungsgebieten in Gewässer. Eine Übersicht der Standorte der Anlagen gibt es hier.

Der ordnungsgemäße Betrieb und die Unterhaltung der Anlagen haben eine erhebliche Bedeutung auf die Reinigungsleistung auch im Hinblick auf das Erreichen des guten Zustands der Gewässer nach der Wasserrahmenrichtlinie.

Mischwasserentlastungen können einen bedeutenden Austragspfad für zahlreiche Nährstoffe sowie Schadstoffe ins Gewässer darstellen. In relevanten WRRL-Wasserkörpern sollen "Maßnahmen zur Reduzierung der Stoffeinträge" umgesetzt werden.

Der Einbau und Betrieb von Messeinrichtungen zur Erfassung des Entlastungsverhaltens kann sinnvoll sein. Das DWA-Arbeitsblatt A100 fordert grundsätzlich eine Erfolgskontrolle durch Messungen als festen Bestandteil des Planungsprozesses. Unter Planung, Einbau und Betrieb von Messeinrichtungen wird hierzu der aktuelle Wissensstand dargestellt, insbesondere die Erfahrungen aus Baden-Württemberg und Bayern.

WRRL - Maßnahmen zur Reduzierung der Stoffeinträge

Mischwasserentlastungen stellen einen bedeutenden Austragspfad für zahlreiche Nährstoffe sowie Schadstoffe ins Gewässer dar. Mit dem Transportmodell MEPhos wurden Pges Frachtanteile aus Mischwasserentlastungen in den WRRL-Wasserkörpern von bis zu 45 % berechnet. Damit können die Entlastungen relevant für die Gewässergüte und für das Erreichen eines guten gewässerökologischen Zustands sein.

Für den 3. Bewirtschaftungsplan der WRRL wurde festgelegt, dass in den Wasserkörpern, in denen der gute Zustand aufgrund stofflicher Belastungen noch nicht erreicht ist, ab einem P-Frachtanteil aus Misch- und Niederschlagswassereinträgen von größer 15 % "Sonstige Maßnahmen zur Reduzierung der Stoffeinträge durch Misch- und Niederschlagswassereinleitungen" in den jeweiligen Wasserkörpern sowie deren Oberliegern umgesetzt werden sollen.  Insgesamt betrifft dies 127 Wasserkörper.

Es ist vorgesehen, diese "Sonstigen Maßnahmen" in folgenden Schritten umzusetzen:

1. Bestandsaufnahme: Im ersten Schritt soll der Ist-Bestand der Mischwasseranlagen in den betroffenen Wasserkörpern mit ergänzenden Daten (Zugehörige Kläranlage, Größe Einzugsgebiet, Beckenvolumen, Fließweg etc.) ermittelt werden. (bis Mitte 2023)

2. Messstrategie: Mit einer Auswahl der ca. 2.200 betroffenen RÜ bzw. RÜBs soll ein möglichst großer Anteil der Mischwassereinleitungen messtechnisch erfasst und damit die tatsächliche Relevanz ermittelt werden. Die Messstrategie wird zusammen mit der TU Kaiserlautern im Landesprojekt "Messen an Regenbecken" entwickelt. Die Betreiber werden informiert, auf welchen Anlagen Messeinrichtungen installiert werden sollen (Festlegung bis Ende 2023).

3. Umsetzung Messstrategie: Auf den ausgewählten Anlagen sollen Messeinrichtungen zur Bestimmung der Entlastungshäufigkeit etc. installiert werden. Um frühzeitig eine hohe Datenqualität sicherzustellen, soll im Anschluss an die Installation der Messgeräte eine Einführungsphase mit begleitender Messdatenprüfung und Auswertung erfolgen. (in 2024 bis Anfang 2025)

4. Messen: Auf den Anlagen soll mindestens 2 Jahre gemessen werden. (2025-2027)

5. Ermittlung Optimierungspotential: Die Ergebnisse sollen mit den Auswertehinweisen der TU Kaiserslautern, die im Rahmen des Landesprojektes „Messen an Regenbecken“ entwickelt werden, durch geeignete Sachkundige ausgewertet werden. Mit den Ergebnissen soll geprüft werden, ob z.B. durch Anpassungen von Drosselabflüssen der Anlagen untereinander die Entlastungshäufigkeit und Dauer unter Einbeziehung der gewässerökologischen  Relevanz reduziert werden kann. (2027)

6. Umsetzung: Die Ergebnisse der Ermittlung des Optimierungspotentials sollen umgesetzt werden. (2028)

7. Messungen zur Verifizierung der Maßnahmen: Auf den Anlagen soll mindestens 2 Jahre gemessen werden, um die Auswirkungen der Maßnahmen zu verifizieren. (2030)

Die weiteren Schritte werden dann ab 2030 festgelegt.

Planung, Einbau und Betrieb von Messeinrichtungen

Untersuchungen u.a. vom Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft an ausgewählten Regenüberlaufbecken ergab, dass nur an wenigen der untersuchten Becken die Messeinrichtungen plausible Daten zum Überlaufverhalten lieferten. Der Mangel an brauchbaren Messergebnissen ist darauf zurückzuführen, dass für die Planung, den Einbau und den Betrieb Wissensdefizite bestehen. Der Praxisratgeber Messeinrichtungen an Regenüberlaufbecken, Planung, Bau und Betrieb liefert hier wertvolle Erkenntnisse. Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auch beim DWA - Landesverband Baden-Württemberg.